Seniorenresidenz, Vessy GE

2. Rang
Jahr 2005

Wohngebäude

Zielvorgabe: ein klar definiertes und leicht verständliches Raumkonzept

Das zentrale und «klärende» Element des Wohngebäudes ist das offene Atrium, in dem jede Form von vertikaler und horizontaler Kommunikation möglich ist: sich bewegen, sehen und beobachten, lauschen und zuhören, spüren und empfinden – alles Wahrnehmungen, die der Betreuung der Senioren zuträglich sind.

Die Qualität der privaten Räumlichkeiten und Gemeinschaftsräume trägt unmittelbar zur Lebensqualität der Bewohner bei. Die wichtigsten gemeinschaftlich genutzten Bereiche befinden sich im Erdgeschoss und bieten direkten Zugang zum «Dorf» und dem Park. Unabhängige Zugänge von aussen oder vom Dorf aus unterstreichen den wohnlichen Charakter des Gebäudekomplexes und lassen seine institutionelle Funktion in den Hintergrund treten. Diese Absicht lässt sich im Gemeinschafts-Tagesraum mit seinem grossen Cheminée erkennen. Die Bewohner haben die Möglichkeit, im Erdgeschoss am Gemeinschaftsleben teilzunehmen oder in den Wohnzimmern der einzelnen Etagen etwas mehr Ruhe zu geniessen. Diese liegen zwischen den diversen Einzelzimmereinheiten und sind direkt mit den Räumen des Pflegepersonals verbunden. Die innenarchitektonische Gestaltung soll mit geeigneten Farben erfolgen, die durchaus von den Bewohnern ausgewählt werden können. Für die gut beleuchteten Zimmereingänge sind Pinnwände vorgesehen, an denen die Bewohner Fotos aufhängen können und sich so nicht nur ihr Zimmer zu eigen machen, sondern auch diese «Raumverlängerung» nach aussen.

Allerdings sollte ein Zuviel an «aufregenden» Effekten bzw. übermässigen Reizen vermieden werden, da sie zu Aggressivität beitragen könnten. Um das Leben der Bewohner zu erleichtern und den Erfordernissen des Pflegepersonals gerecht zu werden, ist der gesamte Komplex ohne Treppen und Stufen konzipiert. Dagegen tragen Nischen sowie die Proportionen der Hallen und Korridore zur besseren Orientierung und Übersichtlichkeit bei.

Pflegeeinheit

Unabhängig vom Pflege- und Unterstützungsbedarf der Bewohner werden sie stets dazu angeregt, ihr Leben so weit wie möglich selbst in die Hand zu nehmen, da eine individuelle und aktive Lebensgestaltung die Unabhängigkeit der Person gewährleistet. Diese Autonomie hat selbstverständlich «naturbedingte» Grenzen. Deshalb wird in diesem Projekt besonderen Wert auf die Differenzierung und die Sicherheit der Räumlichkeiten und Korridore gelegt, die vom grossen gemeinschaftlichen Speisesaal an den kleinen, als Teesalon gestalteten Nischen vorbei bis zu den Einzelzimmern führen. Die Sicherheit beginnt bereits bei der mühelosen Orientierung: Im logisch und rationell konzipierten Gebäudekomplex finden alle leicht ihren Weg, ob Bewohner, Pflegepersonal und Ärzteschaft oder Besucher. Dies trägt zur hohen Lebensqualität der Senioren bei, weil sie sich gut in die Gemeinschaft integriert, jedoch in ihrer Privatsphäre geachtet fühlen. Der am Atrium entlang führende Korridor bietet Gelegenheit, am Leben der anderen Etagen teilzuhaben. Das Projekt sieht grundsätzlich vor, dass jeder Raum entweder einen physischen Ausgang besitzt oder einen Blick nach aussen bietet. Derselbe Gedanke liegt der Gestaltung des Projektes mit reichlich natürlichem Licht zugrunde, das von oben oder durch die Frontseiten einfällt: Das Licht macht die eigentlichen Dimensionen des Gebäudes erfahrbar, begünstigt die zwischenmenschlichen Aktivitäten, die hier stattfinden, und fördert das Gefühl von Wohnlichkeit und Zugehörigkeit. In diesem Sinne lässt das räumliche Konzept gegebenenfalls auch die Einrichtung einer psycho-geriatrischen Pflegeeinheit zu.

Das Projekt erfüllt die funktionellen Vorgaben kompromisslos: drei Gruppen mit jeweils sieben Zimmern pro Etage. Als kleine Abweichung vom Gebäudeprogramm besteht die Möglichkeit, ein Bad pro Etage einzurichten, d. h. drei pro Gebäude anstatt der vorgesehenen zwei Badezimmer. Die Raumordnung wurde so konzipiert, dass das Pflegepersonal möglichst kurze Wege zurücklegt, was die Überwachung und Kontrolle auf natürliche Weise vereinfacht. Darüber hinaus befinden sich die Arbeitsräume des Pflegepersonals in privilegierter Lage.

Zimmer

Die Zimmer zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Grosszügigkeit, ein Maximum an natürlichem Licht, Wohnlichkeit
  • Sie können auf einfache Weise in Doppelzimmer umgewandelt werden
  • Es besteht die Möglichkeit, das Bett an verschiedenen Stellen aufzustellen
  • Die Wahl der Materialien ist an die Benutzung durch ältere Menschen angepasst, sie sind leicht zu reinigen und so natürlich wie möglich (z. B. wird viel Holz verwendet)