Krankenhauserweiterung, Lavigny VD

3. Preis
Jahr 2011

ARCHITEKTONISCHES KONZEPT

Wie man weiss, kann eine gut konzipierte Pflegeeinrichtung die Rekonvaleszenzzeit verkürzen und zum Wohl der Patienten beitragen. Spitäler sind öffentliche Gebäude und bedürfen daher einer besonderen architektonischen Aufmerksamkeit. Der Art, wie Personen behandelt werden, muss ebenso viel Bedeutung beigemessen werden wie der Behandlung, die sie erhalten. Allzu oft erweist sich ein Besuch im Spital oder in einer Klinik indessen als düstere, drückende Erfahrung, der es an Menschlichkeit fehlt.

Die Philosophie der Pflegeerbringung ändert sich. Der Begriff Pflege hat heute eine ebenso grosse Bedeutung wie der Begriff Gesundheit. Ärzte und Pflegepersonal werden nicht mehr nur ausgebildet, um zu heilen, sondern auch um zu pflegen.

Heute ist das Konzept der ganzheitlichen Medizin weit verbreitet. Die entsprechenden Bemühungen haben sich seit dem Ursprung der medizinischen Berufe auf die Heilung spezieller Krankheiten oder die Kontrolle der Symptome konzentriert. Selbst die Definition des Wortes Medizin birgt den Begriff der Suche nach den physischen Anzeichen der Krankheit in sich. Es ist noch nicht lange her, seit zwischen dem Mangel an Symptomen und einem allgemeinen Wohlbefinden ein Unterschied gemacht wurde. Die Möglichkeit, dass eine Befindlichkeit die Gesundheit beeinflussen kann, wurde bis anhin nur spärlich erforscht.

Die Fähigkeit eines Ortes, insbesondere eines Gebäudes, die Gesundheit – vor allem dank Sonnenlicht – zu beeinflussen, ist anerkannt. Dass die Architektur die Kraft hat, die Gefühle der Menschen zu inspirieren, ist offensichtlich (Kathedralen erheben, Paläste beeindrucken, Festungen schüchtern ein usw.). Eine Architektur, die ein emotionales Wohlbefinden fördert, kann daher bei der ganzheitlichen oder physischen Behandlung eines Patienten sicherlich eine Rolle spielen.
Wer ins Spital geht, hat in der Regel ein gesundheitliches Problem. Dabei wird vorausgesetzt, dass das Spital das Ziel verfolgt, dass die Patienten die Einrichtung geheilt verlassen. Um gesund zu sein, muss sich eine Person geistig, körperlich und seelisch gut fühlen.

Pflegeeinrichtungen sind in der Vorstellung der Menschen unweigerlich mit negativen Gefühlen hinsichtlich Krankheit, Angst oder sogar Sterben verbunden. Patienten und Angehörige erleben einen Spitalbesuch selten positiv. Spitäler sind fast die einzige Gebäudeart, die eine solche Phobie auslösen. Damit ein Spital erfolgreich ist, muss es diese negativen Assoziationen bekämpfen. Ein kompetentes und unterstützendes Pflegeteam muss in einer gesunden, auf kompetente und helfende Art und Weise konzipierten Umgebung arbeiten können.

Es braucht an solchen Orten eine sanfte visuelle Stimulierung, das heisst man muss den Himmel, die Landschaft und die Bäume sehen können. Es sollte keine Überraschungen oder Gefühle von Unsicherheit geben. Die Dinge müssen vertraut und einfach sein. Der Mensch hat zudem einen ziemlich ausgeprägten Orientierungssinn und sucht nach Sicherheit. Menschen fühlen sich beispielsweise von Fenstern und Mauern angezogen. Räume, die zentral angelegt sind, werden als letzte besetzt.

Für uns ist klar, dass wir in die Gebäude von Pflegeeinrichtungen Eigenschaften einfliessen lassen, die für eine gute Atmosphäre und Ruhe beim Betrachten sorgen. Es gibt Gebäude, in denen man sich sofort glücklich fühlt und die dementsprechend eine echte therapeutische Atmosphäre bieten. Spitäler sollten auf dieses Ziel hinarbeiten. Die Herausforderung für die Architekten besteht darin, mithilfe des Designs eine solche Atmosphäre zu schaffen. Die Aufgabe ist nicht einfach, die Vorteile aber umso massgeblicher.

DESIGN-METHODIK

Die Gestaltung der Anlage und die geringe Höhe der bestehenden Gebäude verleihen der Einrichtung ein einzigartiges und gefälliges Aussehen, was sich auf die Pflege der neurologischen Patienten positiv auswirkt. Der Neubau soll sich optimal integrieren und darf weder zu gross noch zu breit ausfallen, damit das Gleichgewicht zwischen Gebäude und Umgebung nicht gestört wird.

Nachdem wir das bestehende Spitalgebäude und die Umgebung (einschliesslich des Verkehrs) sorgfältig geprüft haben, haben wir die neue Erweiterung auf die Grundstücke im Nordosten angesiedelt, gleich neben dem bestehenden Gebäude. Dadurch kommt der Erweiterungsbau auf einem unbebauten Boden zu stehen, ohne dass der Spitalbetrieb während der Bauarbeiten gestört wird. Indem eine Aufstockung oder ein Aufbau auf den älteren bestehenden Bauten vermieden wird, minimieren wir die logistischen Konsequenzen, die Baukosten und die komplexe Ingenieursarbeit. Der Neubau kann so effizient, rentabel und nachhaltig geplant werden.

Bei der Gestaltung des Designs des neuen Spitals war uns besonders wichtig, das Gebäude in einer einfachen Serie von klar definierten Formen und Räumen zu planen. Ziel ist die Erstellung eines Gebäudes, das nicht nur lesbar ist, sondern dessen architektonische Qualität sich aus der sorgfältigen und detailtreuen Betrachtung der nebeneinanderliegenden Elemente ergibt. Dazu gehören Neues und Bestehendes. Ziel des Projektes ist es, die Art der alten Gebäude zu verändern und die bestehenden Funktionsweisen mit einem neuen Eingangsblock und einem Spektrum von Pflegeräumen um einen neuen Garten im Norden herum umzukehren, wodurch die Natur im Zentrum der Regeneration steht.

Die Eingänge zur Liegenschaft und zum Spitalgebäude selbst sind über einen grossen Aussenhof verbunden. Dank grosser Fensterflächen ist das Gebäude lichtdurchflutet. Die Behandlungs-/Therapieräume und die sozialen Räume befinden sich im Erdgeschoss; sie erstrecken sich zu den Gärten hin und schaffen einen Dialog zwischen der alten Kapelle und der ländlichen Umgebung.

Wir haben dem Versuch widerstanden, aus dem Neubau einen Klon der bestehenden Einrichtung zu machen sowie offensichtlich zu zeigen, dass es sich um etwas Neues und Anderes handelt. Stattdessen haben wir uns für ein ruhiges und zurückhaltendes Design entschieden, das mit seiner Umgebung flüstert. Es ist die Kombination der neuen und alten Gebäudeformen um einen Haupteingangshof, der die Intimität der Räume definiert. Man fühlt sich selbst mitten in der Einrichtung willkommen. Die Ankunftszonen sind mit Wegen und dem Aussenhof klar gezeichnet. Der Eingangsbereich ist hell, offen und von natürlichem Licht durchflutet.

Die Behandlung der Aussenhülle wurde auf eine einfache Materialpalette beschränkt, das heisst ein heller Verputz, Glas und Metall. Dadurch liegt der Schwerpunkt auf der Schaffung einer hochwertigen Umgebung, die sich dank der Nutzung des natürlichen Lichts zur Belebung der Innen- und Aussenräume ergibt. Die Fassaden des neuen Flügels wurden in ein System von Verputzplatten und Fenstern unterteilt, sodass die Einheit wie beherrschbare Elemente gelesen (und gebaut) werden kann, was ihr eine Struktur oder ein Motiv verleiht und die Wiederholung des gleichen Bildes vermeidet.

Eine der Haupteigenschaften des Gebäudes ist die Schaffung der neuen «Spitalstrasse». Dank einer verglasten und natürlich belichteten Halle führt sie zu allen Punkten der Gebäudefunktionen und verbindet den Behandlungsblock und die Bettenstockwerke mit dem Haupteingang, den Sprechzimmern, der Direktion und der Verwaltung, der Cafeteria und den technischen Räumen. Sie trennt die öffentlichen und privaten Funktionen der Institution, dient als klar definierte und erkennbare Orientierung und verbindet die Innen- und Aussenwelt in einer optischen und emotionalen Verlängerung. Die Strasse dient auch dazu, die Verbindung und Integration von späteren Phasen der Institution zu ermöglichen. Sie verleiht einer Institution mit hohem Standard das öffentliche Image, das sie verdient.

Im Erdgeschoss des Neubaus befinden sich der Therapieflügel und der grösste Raum des Projektes. Seine Form wurde unter Berücksichtigung des Zwecks und der topographischen Umgebung sorgfältig geplant. Wir haben neue Volumen geschaffen, die sich zwischen den bestehenden Terrassierungen und der vorhandenen Flora befinden. Wir haben ein Gebäude entworfen, das die Folgen seines Abdrucks reduziert, aber dennoch die klaren Anforderungen hinsichtlich der Verbindung (sowohl physisch wie auch visuell) mit dem bestehenden Gebäude, der Flüssigkeit des Verkehrs, den Aussichten und den Installationen erfüllt.

Indem die Innenräume als Ausdruck von einfachen Formen gezeigt werden, schafft die Integration von Farben und lokalisierten Strukturen ruhige und kontrastreiche Zonen, die der besseren Lesbarkeit dienen und ein Ort für bevorzugte Begegnungen von Patienten und Benutzern sind.

Die Gestaltung der neuen Zimmer strahlt Wärme und Intimität aus. Das für die Auskleidung des Raums verwendete Holz ist ruhig und angenehm in der Berührung. Seine Farbe ist leicht absorbierbar und der Geruch ruft bei den Bewohnern einzigartige Eindrücke von Sicherheit hervor. Das weckt vielleicht sogar Ferienerinnerungen oder Erinnerungen an das Zuhause. Die Fenster sind gross und bieten gerahmte Ausblicke auf die Landschaft und die Berge, sodass der Raum von maximalem Tageslicht profitiert. Die Fenster können mit Aussenstoren und Innenvorhängen stets geschlossen werden, je nach Bedürfnis der Patienten oder um sich den Jahreszeiten oder den Lichtverhältnissen anzupassen.

ARCHITEKTUR KANN NICHT HEILEN – ABER SIE KANN DEN HEILUNGSPROZESS UNTERSTÜTZEN

Die Patienten kommen nach Lavigny, um eine grösstmögliche Selbstständigkeit zurückzugewinnen – trotz ihres Handicaps. Da die Patienten meist eine schwierige Lebenslage nach Lavigny führt, bezwecken die Behandlungen, ihr Bewusstsein zu wecken und sie bestmöglich auf ein Leben mit maximaler Unabhängigkeit entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten vorzubereiten.

Ziel unseres Projekts ist eine geeignete Antwort auf diese Bedürfnisse mittels einer Umwandlung der bestehenden Struktur:

Zentralisierung der Dienste     > Flexibilität – Nachhaltigkeit

Kompakte Lösung                    > Nähe – Wirtschaftlichkeit

Trennung der Ströme              > Patienten – Personal – Logistik

Unterstützung des Prozesses   > Wohnen – Arbeiten – Erholen

Qualität des Aufenthalts          > Klarheit – Helligkeit – Integration Natur

 

1. Stock

  • Die logistischen und technischen Dienste bleiben am Ort und profitieren so von ihrer heute optimalen Liefer-/Entladesituation. Um Konflikte zwischen Logistik- und Patienten-/Publikumstransporten zu vermeiden, wird ein neuer Gang vorgeschlagen. Er führt direkt zum bestehenden Warenlift Ost, der in der neuen Zusammensetzung zentral ist und als logistischer Knotenpunkt gilt. – Erweist sich die Problematik dieser Kreuzungen als vernachlässigbar, kann dieser Gang weggelassen werden.
  • Die Bäderlandschaft wird um ein zusätzliches Becken und die notwendige Infrastruktur (Garderoben usw.) erweitert. Der Zugang der Patienten erfolgt über die Bettenlifte.
  • Die medizinische Direktion erstreckt sich bis neben die Bäderlandschaft, verbunden über einen Lift und eine Treppe, die direkt in die Eingangshalle und zu den Büros im 2. Stock führen.
  • Direkt unter dem Rehazentrum (2. Stock) befindet sich das Forschungslabor.

2. Stock

  • Die Schaffung einer neuen Eingangshalle erlaubt eine einfache Zonenunterteilung dieses Plans.
  • Die öffentliche Zone mit den Bereichen für Empfang, Information, Warteraum, Repräsentation usw. wird die neue Arterie des Spitals.
  • Über diese Arterie ist jede Funktion des Gebäudes erreichbar: Arbeitsbereiche, Pausenräume und Administration. Die Übergänge sind direkt und von grosser Qualität.

3. und 4. Stock

  • Die Pflegeeinheiten werden um die gewünschte Anzahl Betten und Flächen vergrössert. Ein neuer vertikaler Verteilungsknoten führt die Patienten und ihre Besucher an ihre Aufenthaltsorte, über einen hellen Empfangsbereich, der vom Büro des Pflegepersonals aus diskret überwacht wird.
  • Da die bestehenden Pflegeeinheiten von 2010-2012 saniert wurden, beschränken sich die vorgeschlagenen Umbauten auf die zur Verfügung gestellten Flächen und die auf jedem Stockwerk gewünschte Anzahl Betten.
  • Die Beurteilungs- und Behandlungseinheit für schwere Epilepsie wird im 4. Stock integriert. Sie hat einen direkten Zugang zu den Sprechzimmern. Wir schlagen vor, dass das Büro und die Pflegevorbereitung gleich wie auf dem darunterliegenden Stockwerk organisiert wird. So kann die Nachtwache für den gesamten 4. Stock von hier aus erfolgen – falls notwendig.

Das Einzige, was wir nicht können, ist die Zukunft vorauszusagen.

Die vom Bauherrn vorweggenommenen Erweiterungen können flexibel integriert werden. Die neue Erweiterung wird als erste Etappe in einem umfassenden Masterplan betrachtet, der sich über mehrere Jahre erstreckt. Ein späterer Flügel, der die neuen Stockwerke mit Betten und Labors umfasst, wird in einem zweistöckigen, L-förmigen Flügel untergebracht, der über die Räume im Untergeschoss, die Küchen und die Cafeteria gebaut wird.