Holz fügt sich zu Holz
Da staunt man nicht schlecht, erblickt man am Waldrand, von Lyss her kommend, ein ganz spezielles, lang gezogenes Gebäude. Mit Ausnahme des 160 Meter langen Betonsockels ist alles aus Holz. Erneutes Staunen, wurde die Försterschule doch in den 1990er–Jahren geplant und gebaut, als das Bauen mit Holz noch einen weit kleineren Stellenwert hatte als heute. Die vergleichbare Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau in Biel wurde erst später ausgeführt.
Das Material, so ist gleich augenfällig, ist natürlich gealtert, was die Naturhaftigkeit des Gebäudes noch unterstreicht – wobei die architektonische Formensprache deswegen keineswegs irgendeine Spur von Rustikalem hat. Im Gegenteil: Über dem Betonsockel zieht sich das transparente Erdgeschoss hin, in dem sich Eingang, Aula und Verwaltung befinden. Darüber – und das erinnert fast ein wenig an ein Schiff – dann die zwei Obergeschosse mit den Schulzimmern. Ein schlanker, leichter Bau, an den sich die vier kubischen Internatsgebäude anschliessen, selbstverständlich ebenfalls vollständig aus Holz.
Konstruktiv war die Försterschule ursprünglich als Betonskelett angedacht. Das ist insofern noch sichtbar, als die Struktur deutlich daraus abgeleitet ist – aber dann durchwegs mit Holz ausgeführt wurde. Das bedingte intensive Recherchen, um innovative Formen der Holzverbindung zu entwickeln.
Zum Programm, Holz als zeitgemässen Baustoff auszureizen – bis hin zu den Baumstämmen für die Stützen und Rundhölzern für die Decken – kam der Wille hinzu, ein ökologisches Modell zu schaffen: Alles Holz stammt aus der Schweiz, es ist zweitklassiges Material, das jährlich massenhaft anfällt. Energetisch abgestimmte Gebäudehülle, Schnitzelheizung, Wärmerückgewinnung, Solarenergie und Wasserretention runden das Programm ab.
Dieses Haus ist also so natürlich, wie es wirkt – und noch nach mehr als zehn Jahren zeitgemäss.
Auftraggeber
Stiftung Interkantonale Försterschule
Architekten Generalplaner
Itten+Brechbühl AG
Wettbewerb 1. Preis 1991
Baubeginn 1994
Inbetriebnahme 1997
Geschossfläche 12 000 m2
Bauvolumen 46 000 m3
Auszeichnungen
SIB-Architekturpreis 1997
Preis Natur&Wirtschaft 1999
Fotos
Hans Ege, Luzern
Georg Aerni, Zürich
Text Konrad Tobler, Bern