Architektur im Dienst grösstmöglicher Sterilität
Die Nachfrage nach innovativen Medikamenten, die durch Infusion oder Injektion – also parenteral – verabreicht werden, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Um die Kapazitäten zu erhöhen und die verschiedenen Betriebe zu konzentrieren, wurde in Kaiseraugst ein komplett neuer Galenikbetrieb errichtet.
Die spezielle Art der Produkte, die absolut steril sein müssen, bedeutet
der Sache gemäss in erster Linie eine aussergewöhnliche technische
Herausforderung.
Der industrielle Standort und der Nutzungszweck bestimmen die pragmatische Architektur. Der Sockel aus Beton passt sich der Geländetopografie an. Die Nutzungsgeschosse sind vollkommen verglast und schaffen so eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit Bezug zum Aussenraum.
Klar ablesbar ist das Technikgeschoss, das sich hinter einer umlaufenden
Blechverkleidung verbirgt. Die Südfassade ist geschlossen und
ermöglicht Erweiterungsbauten. Markant ausgeprägt sind die freistehenden
Treppenhäuser, ebenso die vorkragenden Eingangs- und
Lieferungsschleusen aus Beton.
Die aktuellen internationalen Regeln für die pharmazeutische Industrie sind in diesem Gebäude das A und O. Vernetzte elektronische Systeme erhöhen dabei die Zuverlässigkeit und unterstützen die GMP-gerechte Dokumentation (GMP: Good Manufacturing Practice).
Das Herzstück der Anlage befindet sich im ersten Obergeschoss. Dort finden die Lösungsherstellung und die Abfüllung der flüssigen, halbflüssigen und festen Arzneiformen statt.
Flüssigvials, Fertigspritzen und gefriergetrocknete Produkte werden je
in einem klar strukturierten Modul hergestellt.
Konstante Umgebungsbedingungen sind für die anspruchsvollen und zum grössten Teil aseptischen (keimfreien) Prozessschritte unumgänglich. So nehmen energieeffiziente Lüftungsanlagen das gesamte zweite Obergeschoss in Anspruch, um die richtige Menge keimfreier, partikelarmer und klimatisierter Luft mit kontrollierter Feuchtigkeit zu liefern.
Wasser für Injektionszwecke, der Grundstoff parenteraler Arzneimittel,
entsteht durch mehrfache Destillation in der Reinstmedizinzentrale im
Untergeschoss.
Auftraggeber
F. Hoffmann-La Roche AG
Generalplaner Pharmaplan AG
Architekten Itten+Brechbühl AG
Planung 2006
Baubeginn 2007
Inbetriebnahme 2009
Geschossfläche 13 050 m2
Bauvolumen 42 000 m3
Arbeitsplätze 150
Fotos Ruedi Walti, Basel
Text Konrad Tobler, Bern
Interview in der Zeitschrift Swiss Pharma mit Dr. Rainer Schmidt, Head of Sterile Drug Manufacturing, F. Hoffmann-La Roche Ltd., Kaiseraugst Ausgabe Nr. 4/2012