Im Notfall ist besonderes Fingerspitzengefühl gefordert
Ein Update war für die Notfallstation des Kantonsspitals Bruderholz nach mehr als zwanzig Jahren sozusagen notfallmässig angesagt: Die Zahl der Patienten hatte sich seit dem Bau des Spitals im Jahr 1973 mehr als verdreifacht, entsprechend prekär waren die Raumverhältnisse, im Behandlungsbereich konnte die Diskretion nicht genügend gewahrt werden, die die Würde der Patienten gebührend berücksichtigt.
Das weit ausladende Dach ist für den Charakter des Neubaus kennzeichnend: Es verspricht Schutz und Aufnahmebereitschaft und markiert, dass der Notfallbereich neu vom übrigen Patientenbetrieb getrennt ist. Hier ist die geschützte Anfahrt für die Ambulanzen, hier findet sich auch der allgemeine Notfall–Eingang für gehende Patienten und für die Angehörigen. Die zentral gelegene Pforte ist für einen 24–Stunden–Betrieb konzipiert.
Direkt und klar ersichtlich sind die Wege in die Klinik und in die entsprechenden Räume. Dafür sorgt das bewusst reduzierte Farbkonzept: Die Pforte ist rot, gelb ist der Innenbereich mit seinen zehn Untersuchungszimmern, blau ist der zentrale Kern, wo sich Schock- und Gipsraum, Röntgen und die Arbeitsräume für das Pflegepersonal befinden.
Für Transparenz und für die einfache Orientierung, die gerade in der Notfallklinik besonders wichtig sind, sorgt auch die Lichtführung. Sie konnte dadurch optimiert werden, dass alle Bereiche um den blauen Kern herum grosszügig verglast sind und dadurch hell und freundlich wirken.
Die Verbindung mit dem Kinderspital, entsprechende Untersuchungsräume und der Helikopterlandeplatz auf dem begrünten Dach sind ebenso Resultat des konsequenten Neudenkens wie die Möglichkeit, einzelne bauliche Elemente zukünftig an veränderte Bedürfnisse und neue Technologien anzupassen.
Auftraggeber
Kanton Basel–Landschaft
Architekten Generalplaner Itten+Brechbühl AG
Baubeginn 1997
Inbetriebnahme 1999
Geschossfläche Neubau 2600 m2
Geschossfläche Umbau 400 m2
Bauvolumen 15 200 m3
Fotos Ruedi Walti, Basel
Text Konrad Tobler, Bern