Elaboriertes Laborgebäude
Gediegenheit und Raffinesse – das ist der erste Eindruck, den das Kantonale Laboratorium in St. Gallen weckt. Dann folgt die Frage, weshalb das so sei – ist das Gebäude doch schlicht und zurückhaltend. Erst nach und nach erschliesst der viergeschossige Bau seine differenzierten Konstruktions– und Strukturprinzipen, die zugleich auch selbstverständlich wirken.
Understatement ist es nicht. Es ist die Arbeit am Detail bei gleichzeitigem Blick aufs Ganze, die dieses Gebäude charakterisieren. Die Fensterfront ist leicht zurückgesetzt, auf Brüstungshöhe kragt waagrecht ein Fassadenelement aus. Dort verlaufen an sichtbaren Metallstangen die Brisesoleils, die damit die eigentliche äussere Fassade bilden. Diese changiert je nach Lichteinfall, der die Storen steuert:
Einmal wirkt der Bau ganz offen und transparent, dann wieder ergibt sich bei verschieden geschlossenen Storen ein moireeartiges, geometrisches Muster, ein anderes Mal schliesslich, wenn alle geschlossen sind, ist der Bau wie von einer schützenden Hülle umgeben, wirkt aber dennoch nicht kompakt.
Weitere Elemente tragen zum diskreten Spannungsreichtum bei, so etwa die stockwerkweise horizontal versetzten Fenster und die legere Skulpturalität des Eingangs.
Als Dreibünder angelegt, wird der Bau durch zwei Korridore erschlossen. Im Zentrum befindet sich die Kernzone mit allen Infrastruktureinrichtungen. Gegen das Licht zu, hinter der Fensterfassade, sind die Labors eingerichtet.
Flexibilität war das oberste Gebot für die technische Infrastruktur. Die diversen Medien sind so angelegt, dass in einzelnen Labors die notwendigen Anpassungen ohne viel Aufwand getätigt werden können.
Die Installationen sind offen an der Decke geführt und bilden in jedem Geschoss eine geschlossene Einheit, so dass bei Umbauten die einzelnen Geschosse unabhängig bespielt werden können.
Hauptnutzer des Gebäudes sind die Kantonale Lebensmittelkontrolle und das Amt für Umweltschutz. Entsprechend zurückhaltend und pragmatisch ist der Ausbaustandard der Labors, die der Analyse und nicht dem Experiment dienen.
Auftraggeber Kanton St. Gallen
Baudepartement Hochbauamt
Architekten Generalplaner Itten+Brechbühl AG
Wettbewerb 1. Preis 1991
Baubeginn 1998
Inbetriebnahme 2000
Geschossfläche 5500 m2
Bauvolumen 22 000 m3
Einstellplätze 500
Fotos Michael Rast, St. Gallen
Text Konrad Tobler, Bern