Hier leuchten viele Lichtblicke auf
Alles dient dem einen Zweck: der Rehabilitation. Deswegen täuscht auch der Eindruck nicht, den das Sheddach des einen Gebäudes erweckt: Hier wird streng gearbeitet, hier wird geübt, sich nach einem schweren Unfall wieder im Leben und in der Arbeitswelt zurechtzufinden.
Das Gebäude mit dem Licht bringenden Sheddach über Schwimmbad und Turnhalle ist der Ausbildungs- und Therapiebereich der Clinique Romande de Réadaption in Sion. Dieser Trakt formt zusammen mit dem Hotel- und dem Büro- und Kongresstrakt einen in sich geschlossenen Komplex in U-Form, in der Mitte ein grosser, parkähnlicher Hof mit Cafeteria. Der Hof ist Ruhepol und zugleich Drehscheibe des ganzen Betriebes.
Durchgehende Glasfassaden bilden die architektonische Einheit der klaren, quaderförmigen Bauvolumen. Die Fassade des Therapietraktes ist mit schwenkbaren, sich den Lichtverhältnissen anpassenden Lamellen ausgerüstet, Hotel- und Bürobau sind mit fixen Elementen verkleidet. Das transluszente Glas, das den ganzen Komplex in seiner ästhetischen Erscheinung markant prägt, lässt den Bau zu einem Spiel von Licht und Farben werden, ein Spiel, das je nach Witterung und Tageszeit die Gebäude mal als undurchdringliche, mal als leuchtende Körper erscheinen lässt.
Klarheit, Transparenz, Helligkeit: Diese Themen nimmt die Architektur auch im Inneren auf. Es dominieren klare Raumgliederungen und -folgen, genau definierte Lichteinfälle und die Grundfarben Rot, Blau und Gelb. Die Architektur insgesamt zielt prinzipiell auf leichte Orientierungsmöglichkeiten, die für traumatisierte Patienten eminent wichtig sind. Zugleich schafft sie eine Atmosphäre von Wohlsein und Geborgenheit.
Individualität und persönliche Betreuung werden hier gross geschrieben – weil in der Rehabilitation jedes Individuum trotz aller Hilfeleistungen auf sich selbst zurückgeworfen ist. Diese Tatsache prägt die Raumgestaltung. Sie schafft beispielsweise in den Zweierzimmern Rückzugsmöglichkeiten und Orte der Intimität. Auch der weite Blick von den Balkonen und Kaskadentreppen in die Bergwelt mag dazu beitragen, dass die Patienten die Zukunft nicht düster sehen, sondern vielleicht so wie der ganze Komplex wirkt: changierend – körperhaft und schützend, licht und farbig leuchtend.
Auftraggeber SUVA
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Architekten Generalplaner
Itten+Brechbühl AG
Thekne Management SA
Karl Steiner SA
Projektwettbewerb 1. Preis 1994
Baubeginn 1996
Inbetriebnahme 1999
Geschossfläche 27 400 m2
Bauvolumen 130 000 m3
Fotos
Heinz Preisig, Sitten
Robert Hofer, Bern
Text Konrad Tobler, Bern