Ein modernes Spital ist ein flexibles Spital
Das neue Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum INO des Inselspitals Bern wird eines der leistungsstärksten Behandlungszentren der Schweiz. Im INO werden die wichtigsten Untersuchungs- und Behandlungseinheiten und die medizinischen Dienste neu in einem einzigen Gebäude zusammengefasst. Das schafft Synergien und verbessert die Behandlungsprozesse.
Als erstes Gebäude in der Schweiz wird das INO nach dem Prinzip der Systemtrennung geplant und ausgeführt, welche die unterschiedliche Lebensdauer und Flexibilität der verschiedenen Gebäudeteile berücksichtigt. Das ermöglicht am besten einen möglicherweise notwendigen Umbau. Gebäudehülle und Tragstruktur bilden das Primärsystem, das unabhängig vom Sekundärsystem geplant und ausgeführt wurde.
Den Projektwettbewerb für das Sekundärsystem, das 30 Jahre halten soll, gewann IttenBrechbühl.
Innerhalb der gegebenen Baustrukturen galt es also, ein geschossunabhängiges Raumlayout und die funktionelle Struktur zu planen – ihrerseits die Basis für das tertiäre System der medizintechnischen Ausrüstung.
Modulare Konzepte mit austauschbaren Raum-Bausteinen erwiesen sich in allen Abteilungen als pragmatischste Lösung. Der Ist–Zustand ist damit auf die Zukunft hin angelegt. Dazu dienen freie Dispositionsflächen, harte, hoch installierte und weiche, niedrig installierte Funktionen.
Was das im Detail bedeutet, veranschaulicht eine Zahl: Allein die Gesamtlänge der in der 1. Ausbauetappe verlegten Kabel betrug rund 225 Kilometer.
Einen Neuansatz, der dann allerdings nicht ausgeführt wurde, entwickelte man für die Operationsabteilung: Vier OPs bilden einen Cluster, was eine flexible Steuerung der Operationsabläufe erlaubt.
Den Betrieb bereits aufgenommen haben die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung, die Labormedizin, die Radiologie und das Operationszentrum. Nach dem Endausbau wird das INO ab 2012 auch das neue Notfallzentrum, die Intensivbehandlung, weitere Operationssäle und die Nuklearmedizin beherbergen.
Durchgehende Prinzipien gibt es – neben dem der Flexibilität – im ganzen Gebäude, trotz der langjährigen Planungs- und Realisierungszeit. So müssen die Materialien spitaltauglich, also beispielsweise robust und resistent gegen Desinfektionsmittel sein. Ein weiteres, vereinheitlichendes Prinzip besteht im Farbkonzept: Gegen Osten herrschen die Rottöne des Morgens vor, gegen Süden die Blautöne des Himmels, gegen Westen das ruhige Grün der Dämmerung, und gegen Norden hellen Gelbtöne die dunkleren Räume auf.
Auftraggeber Kanton Bern
Architeken Generalplaner Itten+Brechbühl AG
Wettbewerb 1. Preis 1998
Baubeginn 2005
Inbetriebnahme 2012
Geschossfläche 49 100 m2
Bauvolumen 169 000 m3
Minergie Label BE-940
Fotos
Rolf Zimmermann, Universität Bern
Vision on Wings, Manfred Richter, Reinach
Text Konrad Tobler, Bern
Film INO des Inselspitals Bern
© www.lomotion.ch im Auftrag
Inselspital Bern