Eine hohe Halle und geklärte Verhältnisse
Offenheit, Licht und übersichtliche Strukturen prägen den ETH-Bau nach der umfassenden Sanierung. Das wird in erster Linie in der zentralen Lichthofhalle augenfällig: Sie zeigt wieder eine beeindruckende, repräsentative Höhe, weil sie drei Stockwerke hoch ist; die unruhige, shedartige Decke aus den 1960er-Jahren ist durch ein grosszügiges Oberlicht verkleidet; die Durch- und Umgänge sind wieder offen, die ursprüngliche Farbigkeit ist wieder hergestellt.
Die grundsätzlichen Überlegungen galten der Aufgabe, die zwei völlig verschiedenen Bauphasen und Architektursprachen des Gebäudes neu zu denken, die Räume zu entflechten und die bestehenden Architekturformen zu akzentuieren. Denn der Gebäudekern stammt aus den Jahren 1912–1916, er trägt die Handschrift von Gustav Gull, dem Architekten, der das Gesicht Zürichs massgeblich prägte. In den 1960er-Jahren dann führte Alfred Roth die damals notwendig gewordenen Erweiterungen aus, darunter auch die Hörsäle. Dabei wurde allerdings vor allem die Lichthofhalle stark verbaut.
Entrümpelung: So lässt sich in einem gewissen Sinn der Zweck der Sanierung umschreiben, die durchaus denkmalpflegerischen Modellcharakter hat. Der Boden der Halle ist um ein Geschoss abgesenkt, neue, an Gull angelehnte Treppenanlagen mit einem grosszügigen Luftraum verbinden die umgestaltete Halle mit der Eingangsebene und den dortigen Hörsaaleinbauten. So ist auch die städtebauliche Verbindung der drei Eingänge im Sinne Gulls wieder hergestellt. Durchblicke schaffen eine leichte Orientierung, und bis in die Details – etwa in der Neugestaltung und -positionierung der Gesteinsschränke – stechen die neuen, klaren Strukturen hervor.
Der elegante Ausstellungskörper in der Halle setzt einen deutlichen neuen Akzent; er gibt der publikumsnahen erdwissenschaftlichen Ausstellung «focusTerra» den gebührenden Raum. Durch die Optimierung der Laborräume und das Zusammenführen der Institute, aber auch durch bau- und haustechnische Erneuerungen konnte die Wirtschaftlichkeit und die Attraktivität des Gebäudes NO markant erhöht werden. Die baulichen Anpassungen im Gebäude NW sind minimal gehalten.
Auftraggeber
ETH Zürich, Abt. Bauten
Architekten Itten+Brechbühl AG
Generalplaner ANS Architekten AG
Beleuchtungsplaner mosersidler.
Ausstellungsplaner
Holzer Kobler Architekturen
Baubeginn NW 2005
Baubeginn NO 2006
Inbetriebnahme 2009
Geschossfläche 27 070 m2
Volumen 91 000 m3
Fotos Brigitt Lattmann
Text Konrad Tobler, Bern