Gefordert ist hier höchste Sensibilität
Aktuell und drängend ist die Frage nach dem Bauen für das Alter. Mit der gestiegenen Lebenserwartung werden auch die Bedürfnisse für das Wohnen im Alter, für Pflege und Betreuung grösser. Und dem Lindern von Schmerzen und der sorgsamen Begleitung bis zu den letzten Lebensminuten schenkt man heute ebenfalls mehr Beachtung als früher.
Auf diese neue Situation muss die Architektur antworten. Und dafür muss sie sensible Lösungen entwickeln.
Ein zeitgemässes Modell für ein solches Um– und Weiterdenken sind Sanierung und Erweiterung des 1973 erbauten und deswegen veralteten Pflegeheims Eichhof in Luzern. Die Richtlinien hiessen hier: durch Klarheit Orientierung schaffen, durch Wohnlichkeit die Individualität bewahren, durch Funktionalität die Pflege erleichtern.
Die Zimmerschichten der beiden bestehenden Gebäudekörper wurden dort
belassen, wo sie umgenutzt werden konnten. Die gesamte Infrastruktur ist
insgesamt aber so geplant, dass sie flexibel bleibt und sich so an
veränderte, zukünftige Bedürfnisse anpassen lässt.
Der wohl entscheidende Eingriff geschah durch den Bau von zwei Lichthöfen. Sie schaffen ebenso wie das durchdachte Farbkonzept Orientierungshilfe und machen den Alltag hell und freundlich. Die spitalmässigen Vierbettenzimmer hob man auf; jetzt stehen Ein– und Zweibettenzimmer zur Verfügung, die durch Gemeinschaftsräume ergänzt werden.
Bewahrung der Lebensqualität und der Selbstbestimmung finden ihren Ausdruck auch in der Gestaltung der Eingangshalle. Sie erinnert eher an eine Hotellobby und ist durch ihre Infrastruktur zugleich ein Ort, wo sich Quartierbewohner und Pensionäre begegnen können.
Demgegenüber bietet das neue Betagtenzentrum den oft unruhigen
Demenzkranken durch klare Strukturen die notwendige architektonische
Geschlossenheit. Sie haben aber genügend Raum, um sich in Sicherheit
bewegen zu können. Dazu gehört auch der abwechslungsreiche, geschützte
Garten.
Auftraggeber
Stadt Luzern, Baudirektion
Architekten Itten+Brechbühl AG
Studienauftrag 1. Preis 2003
Planung 2005–2006
Baubeginn 2006
Inbetriebnahme 2008
Geschossfläche 13 300 m2
Bauvolumen 47 300 m3
Pflegegruppen 7
Betten 144
Fotos Markus Beyeler, Hinterkappelen
Text Konrad Tobler, Bern