Einheit, Rationalisierung und Atmosphäre
Das Spital Linth stellt die Gesundheitsversorgung des St. Galler Linthgebiets sicher. Der Komplex umfasst auf 34'000 m2 Parkfläche acht Kliniken und Institute, hat 120 Betten und beschäftigt 300 Mitarbeitende. Die Gesamtsanierung ermöglicht in den aus den Jahren 1967–1970 stammenden Gebäuden einen nutzerfreundlichen und zeitgemässen medizinischen Betrieb.
Die hohe Qualität der ursprünglichen Anlage und des Standortes wird durch die Sanierung pointiert. Zusammen mit den Neubauten ergibt sich jetzt ein freundliches, aber immer noch selbstbewusstes Gesamterscheinungsbild, die Veränderungen sind klar ablesbar – zuerst vor allem an der Neugestaltung der gesamten Gebäudehülle, die ursprünglich aus Sichtbeton bestand. Eine verputzte Kompaktfassade mit 20 cm dicker Wärmedämmung sorgt für die nötige Verbesserung der wärmetechnischen Eigenschaften.
Die horizontal lineare Struktur der Geschosse zwischen den Vertikalschotten wurde beibehalten und durch markante Fenster- und Brüstungsbänder neu definiert. Der Neubau des Restaurants und die körperhafte Zugangsrampe setzen weitere Akzente. Die Rampe definiert den Haupteingang. Das Restaurant mit einem angegliederten Bistro verfügt über raumhohe Verglasungen, die vorgelagerte Sonnenterrasse schafft den direkten Bezug zum weiten Spitalgarten.
Durch die helle Eingangshalle mit ihrer offenen Fensterfront betritt man das Spital. Der repräsentative Empfangsbereich wirkt freundlich, die Materialien sind dezent und edel. Dieser Bereich dient als Informationsdrehscheibe und führt direkt zum Restaurant, zur Behandlung und zum Bettenhaus, das unter laufendem Betrieb geschossweise total saniert wurde. Alle Patientenzimmer sind neu mit Nasszellen und Panoramafenstern ausgestattet, im 4. Geschoss befindet sich die neue Geriatrie.
Die durchwegs neu konzipierte räumliche und technische Infrastruktur ermöglicht dem Pflegepersonal einen rationellen Betrieb.
Das Licht-, Farb- und Materialkonzept rückt den gelben, sonnig erscheinenden Bodenbelag in den Vordergrund und schafft eine warme und behagliche Atmosphäre.
Ein zentrales Element der Erneuerung ist der Neubau der Notfallstation unterhalb der bestehenden Operationssäle, der neu einen unabhängigen 24-Stunden-Betrieb gewährleistet: mit eigenem Zugang, modernster medizintechnischer Ausstattung sowie zentraler Lage im Spitalkomplex, wodurch kurze Wege zwischen Notfallaufnahme, Operationssälen und Bettenstationen garantiert sind.
Die Notfallstation wird durch einen neuen, per Lift direkt angeschlossenen Helikopterlandeplatz auf dem Dach ergänzt. In der grosszügig angelegten Kern- und Wartezone sorgt der Aufnahmeschalter für eine zentrale Organisation. Äusserlich fällt hier der leuchtend grüne Bodenbelag aus Kautschuk auf, der dem Notfall die nötige Wichtigkeit im Spitalkomplex beimisst.
Auftraggeber
Hochbauamt Kanton St. Gallen
Architekten Itten+Brechbühl AG
Baubeginn 2006
Inbetriebnahme 2009
Geschossfläche 8760 m2
Bauvolumen 61 820 m3
Betten 120
Fotos
E. Hüss, Uznach
W. Mair, Zürich
Text Konrad Tobler, Bern