Ans Licht gebracht
Das Luftbild zeigt es deutlich: Die von Cruz–Ortiz/Giraudi & Wettstein entworfene Bahnhofpasserelle in Basel erstreckt sich als skulpturaler Metall– und Glaskörper über die Geleiseanlagen. Die Struktur ist als gestreckter Bergkamm lesbar.
Der elegante Neubau – auch das wird aus dieser Perspektive augenfällig – ist nicht nur ein bahnlogistischer Gewinn, sondern auch ein städtebaulicher Wurf: Die Passerelle lenkt nämlich einerseits den Passagierfluss zu den Bahnsteigen, andererseits ist er als Durchgang vom Centralplatz zum Gundeldinger–Quartier konzipiert und verbindet so zwei Stadtteile. Das wird durch den pointierten Abschluss im Westen markiert, der so die Funktion eines Tores und eines neuen, westlichen Bahnhofeinganges übernimmt.
Ein weiterer Gewinn: Die leichte Passerelle brachte den Fussgängerstrom mit seinen zeitweise sehr hohen Frequenzen aus dem dunklen Untergrund ans Licht. Die weite, lange Halle bietet viel Raum, auch für das seitlich angelegte Shopping im Rahmen des RailCity–Konzepts der SBB.
Die Baurealisation wurde von IttenBrechbühl übernommen. Dazu gehörte auch der von der Denkmalpflege begleitete Umbau des historischen Aufnahmegebäudes, in das sich die Passerelle einschmiegt. Besonders der Bau der Passerelle war ein logistisch anspruchsvolles Unterfangen, musste doch der als Brücke konstruierte Baukörper bei vollem Bahnbetrieb erstellt werden. Die Passerelle wurde im Taktschiebeverfahren von der Gundeliseite her über die Geleise geschoben. Bei diesen hochkomplexen Arbeiten war die Sicherheit der täglich rund 80'000 Reisenden ebenso zu gewährleisten wie diejenige der Arbeiter.
Fast idealtypisch zeigte sich im Rückblick die Vorgehensweise, die gewählt wurde: die Arbeit in Werkgruppen, die man mit sieben Ausschreibungen aktivierte. Das erlaubte es, jeweils mit dem spezifischen Know–how die völlig unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Arbeitsetappen termingerecht umzusetzen und flexibel zu reagieren, wenn das Projekt geändert und angepasst werden musste.
Auftraggeber SBB
Schweizerische Bundesbahnen AG
Architektur Cruz–Ortiz, Sevilla (E)
Giraudi&Wettstein, Lugano
Realisierung Itten+Brechbühl AG
Wettbewerb 1. Preis 1996
Baubeginn 2001
Inbetriebnahme 2003
Passerelle 6000 m2
Kopfbau Süd 14 260 m2
Aufnahmegebäude 1800 m2
Davon Kommerzfläche 6300 m2
Auszeichnungen
Silberner Hase 2003
Hochparterre/SFDRS
Fotos Manfred Richter, Reinach
Cruz–Ortiz, Sevilla
Text Konrad Tobler, Bern