Neuer Glanz für einen wichtigen Repräsentationsbau
Nach der Annahme der neuen Bundesverfassung 1848 und der Bestimmung Berns als Bundesstadt mussten die entsprechenden Gebäude errichtet werden. Das erste Bundeshaus – das heutige Bundeshaus West – wurde 1852–1857 vom Architekten Friedrich Studer erbaut.
Nachdem dieses den zunehmenden Raumbedürfnissen nicht mehr genügte, wurde es Ende des 19. Jahrhunderts durch das Bundeshaus Ost und durch das Parlamentsgebäude zum dreiteiligen Gebäudekomplex erweitert. Im Bundeshaus West befindet sich der Sitz von zwei Bundesräten und der Bundeskanzlei, ausserdem auch das Sitzungszimmer des Bundesrates. Das Gebäude ist also nach wie vor ein wichtiger Repräsentationsbau.
Über- und verbaut war das historische Gebäude nach dem jahrzehntelangen Gebrauch. Ohne viel Rücksicht auf die ursprüngliche Bausubstanz und einzig nach pragmatischen Kriterien waren die Räumlichkeiten den wechselnden Bedürfnissen angepasst worden. So hatte man etwa in den ehemaligen Nationalratssaal eine grosszügige Bibliothek mit einer imposanten Eisenkonstruktion eingebaut – und diese später wieder verbaut. Reizvolle Gewölbestrukturen und Ornamente verschwanden hinter heruntergehängten Decken, die Gänge waren mit Schränken verstellt, ornamentale Böden überdeckt.
Ziel der Sanierung ist es, das Gebäude wieder so herzustellen wie es heutigen denkmalpflegerischen Standards entspricht – und es dem aktuellen Stand der Technik anzupassen. Das Bundeshaus West soll wieder eine architektonische Einheit werden. Nach Abschluss der Arbeiten wird für die nächsten 15 bis 20 Jahre kein Sanierungsbedarf mehr bestehen.
Spurensuche und Sicherung der historischen Substanz war einer der ersten Schritte der Arbeiten, die bei mehrheitlich laufendem Betrieb in verschiedenen Etappen und in unterschiedlicher Eingriffstiefe zwischen 2008 und 2010 ausgeführt werden. Am Ende der Arbeiten wird sich der Bau insgesamt, aber auch in vielen Details wieder so präsentieren, wie er nach dem grossen Umbau von 1902 bestand. Ebenfalls saniert wird anschliessend der Platz vor dem Bundeshaus West mit dem markanten Berna-Brunnen.
Auftraggeber
Bundesamt für Bauten und Logistik BBL
Architekten
Itten+Brechbühl AG
Flury und Rudolf Architekten
Generalplaner Itten+Brechbühl AG
Planung 2008–2009
Baubeginn 2008
Inbetriebnahme 2008–2010
Geschossfläche 15 760 m2
Bauvolumen 55 000 m3
Minergie Label BE-1492
Fotos Rudolf Steiner, Biel-Bienne
Text Konrad Tobler, Bern