Blickfang - was tragend ist, ist überall sichtbar
Der Tamedia-Konzern, zu dem unter anderem die Tageszeitung «Tagesanzeiger» gehört, setzt mit dem Neubau des Medienhauses in Zürich Aussersihl architektonische Massstäbe. Entworfen hat den Bau der international bekannte japanische Architekt Shigeru Ban, der vor allem mit seinen visionären Papier- und Kartonhäusern für Furore sorgte. Das neue Gebäude hat das Potenzial, zum Image des Unternehmens beizutragen.
In die bestehenden Strukturen des Quartiers fügt sich der Neubau nahtlos ein: Gebäudehöhe, das überhohe Erdgeschoss, die Dachform und die Blockrandbebauung entsprechen der Norm. Dennoch wird der Bau ein Blickfang: Sichtbar ist nämlich auch von aussen die filigrane, sechsgeschossige Tragkonstruktion aus Holz. Die Statik ist so konkret sicht- und erfassbar. Entsprechend der japanischen Tradition kommt die Konstruktion ohne ein einziges Metallteil aus – eine spezielle Herausforderung für die Statiker.
Grosszügig mit Glas gestaltete Fassaden garantieren helle Räume und ein gutes Arbeitsumfeld. Auf der Sihlseite reagiert eine drei Meter tiefe Doppelfassade auf den Raum. Hier sind auch die Lounges platziert, die teilweise über zwei Geschosse reichen. In dieser Zone befindet sich ebenfalls eine Kaskadentreppe, die fünf Geschosse erschliesst und damit kurze innerbetriebliche Verbindungen schafft.
Nachhaltigkeit steht im Zentrum. Das betrifft nicht nur die Tragkonstruktion, das betrifft auch die Energiebilanz. Die Doppelfassade dient als Klimapuffer und Ventilationssystem. Das Gebäude soll CO2-frei und ohne Atomstrom betrieben werden. Die dadurch entstehenden Mehrkosten können durch die raffinierte Wärmedämmung und durch den Einsatz einer Wärmepumpe in der Haustechnik kompensiert werden.
Auftraggeber Tamedia AG, Zürich
Architekt Shigeru Ban Architects
Generalplaner Itten+Brechbühl AG
Baubeginn 2010
Inbetriebnahme 2011
Geschossfläche 10 200 m2
Bauvolumen 45 900 m3
Visualisierung
Shigeru Ban Architects
Text Konrad Tobler, Bern